Für ein gleichberechtigtes Familienleben: In Führungsetagen den kulturellen Schalter umlegen
(erschienen im Politischen Tagebuch von dieGesellschafter.de)
Was bei der gesamten Debatte um die Gleichberechtigung von Frau und Mann auffällt: Es wird entweder über die Frauen geredet, darüber, wie sie Familie und Beruf vereinbaren können, oder über die Männer, wie sie genau das den Frauen ermöglichen können, zum Beispiel durch Vätermonate. Dass seit einigen Monaten auch die Männer in den Fokus von Forschung und Politik rücken, ist eine logische Entwicklung, denn die Gleichberechtigung der Frau geht nur gemeinsam mit dem Mann. Trotzdem: Nur ganz selten wird in einem Atemzug mal über Frauen und Männer gemeinsam gesprochen, noch seltener werden beide zusammen für statistische Untersuchungen befragt.
Dabei würde auffallen: Vor allem junge Paare haben den Wunsch, gemeinsam für das Einkommen der Familie und die Kinder zu sorgen. Und: Frauen und Männer haben bei der Umsetzung dieses Wunsches oft die gleichen Probleme. Ein Mann, der eine Auszeit für die Erziehung seiner Kinder nehmen will, gefährdet seine Position in der Firma ähnlich wie eine Frau. Vor allem auch deshalb wird das neue Elterngeld noch nicht von einem Großteil der Männer in Anspruch genommen. Das Problem: Deutsche Unternehmen sind fast durch die Bank weg kinderfeindlich. Kinder spielen für Chefs selten eine Rolle oder nur eine negative, nämlich als Verhinderungsgrund, Kostenfaktor - irgendwie als Plage.
Dabei sind Kinder heute mehr denn je eine Riesenchance für Unternehmen, nämlich als Alleinstellungsmerkmal im Kampf um Fachkräfte, deren Mangel allerorts lautstark beklagt wird. Qualifizierte Fachkräfte mit Kindern - sowohl Frauen als auch Männer - würden doch keine Sekunde zögern, wenn sie die Wahl zwischen einen Unternehmen haben, in dem Kinder in der Unternehmenskultur keine Rolle spielen und einer Firma, die nicht nur einen Betriebskindergarten hat, sondern auch flexible Arbeitszeiten anbietet und beispielsweise Führungsstellen teilt, damit keine Mitarbeiterin und kein Mitarbeiter mehr als acht Stunden malochen muss.
Das alles gibt es schon, vor allem im Ausland, vor allem in Skandinavien, manchmal auch schon in Deutschland. Kinder werden zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil für Unternehmen werden, nur muss sich in den Führungsetagen noch ein kultureller Schalter umlegen. Momentan halten wir noch an einer Kultur fest, die Arbeit über alles und vor allem über die Familie stellt. Kinderfeindliche Manager sind nicht anders als der Rest der Gesellschaft - Deutschland ist einfach ein kinderfeindliches Land - Kinder gehören laut der öffentlichen Meinung ins Privat- aber nicht ins öffentliche Leben, denn dort könnten sie die deutsche Ordnung und Ruhe stören. Doch Familien sollten in Zukunft viel fordernder auftreten, Frauen und Männer sollten miteinander sprechen und ihre Forderungen an Wirtschaft und Politik gemeinsam formulieren, nämlich wie sie in Zukunft leben wollen und welche Flexibilität sie dafür von den Unternehmen einfordern. Denn umgekehrt fordern diese genau jene Flexibilität von den Menschen ja auch.
Susanne Klingner
